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Verunglückte Verkehrsteilnehmer

Wenn sich die Ereignisse überschlagen
Pro Stunde werden auf Deutschlands Straßen etwa 44 Menschen verletzt oder getötet. Somit verunglückten 2019 knapp 390.000 Personen. Das entspricht ungefähr der Einwohnerzahl Bochums.
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Verletzte und getötete Verkehrsteilnehmer (2019)
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davon im Bundesland Baden-Württemberg (12,2 %)
davon im Bundesland Bayern (17,5 %)
davon im Bundesland Berlin (4,6 %)
davon im Bundesland Brandenburg (3,1 %)
davon im Bundesland Bremen (1,0 %)
davon im Bundesland Hamburg (2,4 %)
davon im Bundesland Hessen (7,1 %)
davon im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern (1,8 %)
davon im Bundesland Niedersachsen (10,9 %)
davon im Bundesland Nordrhein-Westfalen (20,2 %)
davon im Bundesland Rheinland-Pfalz (4,8 %)
davon im Bundesland Saarland (1,2 %)
davon im Bundesland Sachsen-Anhalt (2,6 %)
davon im Bundesland Sachsen (4,4 %)
davon im Bundesland Schleswig-Holstein (4,16 %)
davon im Bundesland Thüringen (2,0 %)
Verhältnismäßig häufig traf es Verkehrsteilnehmer im Bundesland Bremen: 564 Personen pro 100.000 Einwohner kamen in dem Stadtstaat zu Schaden – so viele wie in keinem anderen Bundesland.
Bremen
564
Schleswig-Holstein
550
Niedersachsen
531
Bayern
517
Hamburg
505
Berlin
489
Saarland
481
Rheinland-Pfalz
458
Verunglückte je 100.000 Einwohner (2019)
Sicherstes Bundesland war 2019 Thüringen: Dort verunglückten 355 Verkehrsteilnehmer pro 100.000 Einwohner.
Brandenburg
477
Sachsen-Anhalt
462
Hessen
439
Nordrhein-Westfalen
436
Mecklenburg-Vorpommern
435
Baden-Württemberg
427
Sachsen
420
Thüringen
355
Verunglückte je 100.000 Einwohner (2019)
Auf den ersten Blick wirken diese Unfallzahlen abstrakt. Doch bei genauerer Betrachtung zeigt sich, welche Schicksale dahinterstehen. Viele Verunglückte kämpfen bis heute mit den Folgen. Einer dieser Menschen ist Kevin Michalowski. Der 32-Jährige aus Lingen hatte einen verheerenden Motorradunfall – und ist seitdem querschnittsgelähmt.
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Getötete Verkehrsteilnehmer

Für immer weg
Für viele Menschen endet ein Unfall nicht nur mit körperlichen Beeinträchtigungen – sondern mit dem Tod. Laut Statistischem Bundesamt sterben pro Tag durchschnittlich etwa acht Menschen auf Deutschlands Straßen. 2019 waren es 3.046 Personen. Die meisten von ihnen verzeichnete die Polizei in Bayern (541 Getötete).
Doch im Verhältnis zur Einwohnerzahl starben die meisten Verkehrsteilnehmer in Sachsen-Anhalt – 62 Getötete pro eine Million Einwohner.
Wissen:
In welchem Bundesland gibt es durchschnittlich die wenigsten Verkehrstoten?
Berlin
Bremen
Nordrhein-Westfalen
Berlin
11
Bremen
12
Nordrhein-Westfalen
25
Getötete je eine Million Einwohner (2019)
In Berlin kamen zwar viele Verkehrsteilnehmer zu Schaden. Die meisten Unfälle gingen jedoch vergleichsweise glimpflich aus. So zeigt die Statistik: In der Hauptstadt kamen pro eine Million Einwohner elf Verkehrsteilnehmer ums Leben – der geringste Wert in der Bundesrepublik.
Dahinter folgen Bremen mit 12 getöteten Verkehrsteilnehmern pro eine Million Einwohner sowie Hamburg mit 15 Getöteten pro eine Million Einwohner.
Sachsen-Anhalt
62
Mecklenburg-Vorpommern
55
Niedersachsen
54
Brandenburg
50
Thüringen
43
Bayern
41
Baden-Württemberg
39
Sachsen
39
Rheinland-Pfalz
37
Hessen
36
Schleswig-Holstein
35
Nordrhein-Westfalen
25
Saarland
25
Hamburg
15
Bremen
12
Berlin
11
Getötete je eine Million Einwohner (2019)
Warum verunglücken in den Flächenländern mehr Verkehrsteilnehmer tödlich als in den Stadtstaaten? Eine Erklärung: Auf Landstraßen ist das Sterberisiko am größten. Und Flächenländer haben einen deutlich höheren Anteil dieser Außerortsstraßen.
Auf Landstraßen verunglückten 2019 die meisten Verkehrsteilnehmer tödlich – es waren 1.758. Das entspricht 58 Prozent aller Getöteten im Straßenverkehr. Die Ursachen sind vielfältig: Unter anderem sind die Geschwindigkeiten auf Landstraßen höher als im Stadtverkehr – und Unfälle daher schwerer. Außerdem erfordern Landstraßen besondere Aufmerksamkeit, da sich Verkehrsteilnehmer unterschiedlichster Art – von Fußgängern und Reitern über Motorradfahrer bis hin zu Nutzern von landwirtschaftlichen Fahrzeugen und Bussen – begegnen. Hinzu kommt, dass die Fahrbahnen häufig nicht baulich voneinander getrennt sind. Manchmal sind sie auch nicht gut ausgebaut. Und widrige Witterungsbedingungen wirken sich auf der Landstraße auch meist stärker aus als in der Stadt oder auf der Autobahn.
356 Verkehrsteilnehmer starben auf Autobahnen – das sind 12 Prozent aller Getöteten.
In geschlossenen Ortschaften kamen 932 Verkehrsteilnehmer ums Leben – 31 Prozent aller Getöteten.
Für die Angehörigen ist der Tod eines Familienmitglieds, eines Bekannten oder eines Freundes ein leidvoller und unwiederbringlicher Verlust. Erst recht, wenn dieser Verkehrsunfall durch verantwortungsbewusstes Verhalten vermeidbar gewesen wäre. So auch für Katharina K.: Ihr Mann, ihr Bruder und ihr Sohn sind bei einem Autounfall durch überhöhte Geschwindigkeit ums Leben gekommen.
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Unfallursache im Fokus

Der Schlüssel zum Unglück
Wissen:
Welche Unfallursache führt in Deutschland zu den meisten Verkehrstoten?
Alkoholeinfluss
Unangepasste Geschwindigkeit
Ungenügender Sicherheitsabstand
Alkoholeinfluss
186
Unangepasste Geschwindigkeit
963
Ungenügender Sicherheitsabstand
206
Anzahl der Getöteten nach Unfallursache (2019)
Tödliche Verkehrsunfälle passieren immer wieder. Die häufigste Ursache ist zu schnelles Fahren. Fast jeder dritte Verkehrstote geht darauf zurück.
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Getötete durch unangepasste Geschwindigkeit (2019)
Was viele Fahrer sich nicht immer klar machen: Auch wenn sie die Tempolimits einhalten, können sie zu schnell sein. Denn zulässige Höchstgeschwindigkeiten gelten nur bei idealen Witterungs-, Sicht- und Straßenverhältnissen. Genauer erläutert das der aus der ZDF „heute show“ und der Aktion „Kein Lappen für Lappen“ bekannte Berufscholeriker Gernot Hassknecht.
Mit Abstand die meisten Vorfälle, bei denen Fahrer 2019 mit unangepasster Geschwindigkeit unterwegs waren und dadurch einen Unfall mit Personenschaden verursachten, registrierte die Polizei im Flächenland Rheinland-Pfalz – es waren 3.567 Fälle. Das entspricht 87 Geschwindigkeitsübertretungen dieser Art pro 100.000 Einwohner. Der höchste Wert deutschlandweit.
Angepasster fuhren Kfz-Führer in Nordrhein-Westfalen. Hier kam es lediglich zu 34 Vorfällen pro 100.000 Einwohner, bei denen Fahrer zu schnell fuhren und dadurch einen Unfall mit Personenschaden verursachten. Damit so wenige wie in keinem anderen Flächenland.
Rheinland-Pfalz
87
Schleswig-Holstein
66
Brandenburg
64
Sachsen-Anhalt
62
Baden-Württemberg
58
Thüringen
55
Saarland
54
Bayern
52
Mecklenburg-Vorpommern
52
Sachsen
52
Hessen
51
Bremen
49
Hamburg
48
Niedersachsen
41
Nordrhein-Westfalen
34
Berlin
31
Verursacher von Geschwindigkeitsunfällen mit Personenschaden je 100.000 Einwohner (2019)
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Verunglückte nach Verkehrsmitteln

Das Mittel der Wahl: Rücksicht.
Wissen:
Welche Verkehrsteilnehmer kommen am häufigsten zu Schaden?
Fußgänger
Motorradfahrer und Mitfahrer
Pkw-Insassen
Radfahrer
Lkw-Fahrer und Mitfahrer
Fußgänger
30.243
Motorradfahrer und Mitfahrer
27.927
Pkw-Insassen
207.493
Radfahrer
87.342
Lkw-Fahrer und Mitfahrer
8.910
Verunglückte Verkehrsteilnehmer (2019)
Ein genauer Blick auf die Verkehrsmittel zeigt: Vor allem Pkw-Insassen fallen statistisch auf. Denn sie sind es, die am häufigsten zu Schaden kommen. Die Polizei zählte 2019 über 207.000 verletzte und getötete Fahrer und Mitfahrer von Pkw. So viele wie in keiner anderen Gruppe. Negativ sticht dabei das Saarland heraus. Hier verunglückten 309 Pkw-Insassen pro 100.000 Einwohner – der Höchstwert in Deutschland.
Fußgänger
417
Motorradfahrer und Mitfahrer
542
Pkw-Insassen
1.364
Radfahrer
445
Lkw-Fahrer und Mitfahrer
152
Getötete Verkehrsteilnehmer (2019)
Am sichersten waren im Jahr 2019 Pkw-Insassen in Berlin unterwegs. In der Hauptstadt kamen 187 Autofahrer und Mitfahrer pro 100.000 Einwohner zu Schaden.
Saarland
309
Niedersachsen
305
Schleswig-Holstein
292
Bayern
280
Rheinland-Pfalz
273
Hessen
271
Sachsen-Anhalt
261
Brandenburg
258
Bremen
255
Mecklenburg-Vorpommern
239
Baden-Württemberg
234
Hamburg
232
Nordrhein-Westfalen
219
Sachsen
212
Thüringen
199
Berlin
187
Pkw-Verunglückte je 100.000 Einwohner (2019)
Auch schwächere Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger und Radfahrer werden häufig verletzt oder getötet. Vor allem innerorts. Ein genauer Blick auf die Daten zeigt: Knapp 90 Prozent der verunglückten Radfahrer wurden 2019 von der Polizei innerorts registriert.
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Verunglückte Radfahrer außerorts (2019)
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Verunglückte Radfahrer innerorts (2019)
Am häufigsten wurden Radfahrer in Bremen verletzt oder getötet – 184 Personen gerechnet auf 100.000 Einwohner.
Ein Radfahrer aus Bremen hatte Glück im Unglück. Sein Name: Stefan Teschke. Er war in einen schweren Verkehrsunfall involviert. Und doch überlebte er, weil er einen Helm trug.
Anders als in der Hansestadt waren Radler im Thüringen statistisch gesehen relativ sicher. Hier kamen 55 Radfahrer pro 100.000 Einwohner zu Schaden.
Bremen
184
Berlin
151
Schleswig-Holstein
151
Hamburg
138
Bayern
125
Niedersachsen
123
Brandenburg
117
Mecklenburg-Vorpommern
104
Nordrhein-Westfalen
102
Sachsen
102
Sachsen-Anhalt
97
Baden-Württemberg
89
Rheinland-Pfalz
68
Hessen
63
Saarland
56
Thüringen
55
Verunglückte Radfahrer je 100.000 Einwohner (2019)
Besondere Vorsicht gilt auch für Fußgänger – auch wenn sie in Brandenburg häufig unbeschadet blieben. Dort kamen auf 100.000 Einwohner etwa 28 Fußgänger zu Schaden. So wenige wie in keinem anderen Bundesland.
Setzten Brandenburger jedoch 2019 einen Fuß nach Berlin, erhöhte sich ihr Unfallrisiko um mehr als das Doppelte. In der Hauptstadt verunglückten 62 Fußgänger pro 100.000 Einwohner. Damit lag Berlin an der Spitze dieser Bilanz.
Berlin
62
Hamburg
56
Bremen
53
Nordrhein-Westfalen
45
Saarland
43
Sachsen
35
Hessen
34
Rheinland-Pfalz
34
Schleswig-Holstein
34
Baden-Württemberg
31
Niedersachsen
31
Thüringen
31
Bayern
30
Mecklenburg-Vorpommern
30
Sachsen-Anhalt
30
Brandenburg
28
Verunglückte Fußgänger je 100.000 Einwohner (2019)
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Besondere Städte

Von Glanzlichtern und Schlusslichtern
Auch mit Blick auf deutsche Städte liefert die Unfallstatistik nennenswerte Zahlen. So sticht vor allem Dessau-Roßlau heraus. In der Stadt in Sachsen-Anhalt mit über 80.000 Einwohnern verunglückten 2019 acht Verkehrsteilnehmer tödlich. Bezogen auf 100.000 Einwohner sind das statistisch 10 Verkehrstote. Damit hat Dessau-Roßlau so viele Verkehrstote wie keine andere größere Stadt, die das Statistische Bundesamt untersucht hat. Insgesamt 100 Orte Deutschlands wurden unter die Lupe genommen.
Dessau-Roßlau
10
Paderborn
7
Wilhelmshaven
7
Frankfurt/Oder
5
Hildesheim
5
Braunschweig
4
Brandenburg/Havel
4
Wolfsburg
4
Freiburg/Breisgau
4
Lübeck
3
Chemnitz
3
Verkehrstote je 100.000 Einwohner (2019)
Andererseits gibt es Städte, die eine weiße Weste haben. Über Jahre. Eine davon ist Landshut. In dem bayerischen Ort mit mehr als 71.000 Einwohnern sind drei aufeinanderfolgende Jahre (2017, 2018 und 2019)  keine Verkehrsteilnehmer ums Leben gekommen – der einzige der 100 Orte, die das Statistische Bundesamt untersucht hat.
Bayreuth
0
Flensburg
0
Herne
0
Koblenz
0
Landshut
0
Salzgitter
0
Deutsche Städte ohne Verkehrstote (2019)
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Das Ziel

Die vergangenen 50 Jahre machen Mut
Grundsätzlich ist die Entwicklung positiv: Die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland ist rückläufig. Starben 1970 deutschlandweit noch mehr als 21.000 Menschen im Straßenverkehr, hat sich die Zahl in den vergangenen fünf Jahrzehnten um fast 85 Prozent verringert.
Zypern
5,6
Frankreich
5,3
Finnland
4,3
Deutschland
3,9
Spanien
3,8
Irland
3,5
Niederlande
3,4
Schweden
3,2
Dänemark
2,9
Schweiz
2,7
Großbritannien
2,7
Norwegen
2
Verkehrstote je 100.000 Einwohner (Daten aus 2017 und 2018)
Dennoch kommen vielerorts Verkehrsteilnehmer zu Schaden. Und am häufigsten ist der Mensch dafür verantwortlich. Mehr als neun von zehn Ursachen bei Unfällen mit Personenschaden sind personenbezogene Fehler (91,6 Prozent).
Fehlverhalten der Beteiligten
91,6
Einflüsse wie Regen, Schnee und Eis
7,5
Technische Mängel
0,9
Prozentualer Anteil der Ursachen bei Unfällen mit Personenschaden (2019)
Die Zahl der tödlich Verunglückten im Straßenverkehr soll durch vereinte Kräfte von Bund, Ländern, Kommunen und Fahrzeugindustrie weiter reduziert werden – mit baulichen Infrastrukturmaßnahmen und moderner Verkehrstechnik, verbesserter Fahrzeugtechnik und Aufklärungsmaßnahmen  für die Verkehrsteilnehmer. Jeder Einzelne kann durch seine verantwortungsbewusste Teilnahme am Straßenverkehr zur Unfallvermeidung beitragen.
3.046
Die Zahl der Verunglückten soll weiter sinken